Zitat von igorsubotnik im Beitrag #205
Und mir wird langsam klar, warum du auch ohne qualifizierten Beruf für Reisekader zu den Auserwählten gehört hast.
vorwärts immer, rückwärts nimmer
E.H.
Ich frage mich, wie verbogen muß man eigentlich heute noch sein, wenn man die kafkaesken Zustände an der Zonengrenze heute noch weglügen muss.
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Zitat von igorsubotnik im Beitrag #212
Ich frage mich, wie verbogen muß man eigentlich heute noch sein, wenn man die kafkaesken Zustände an der Zonengrenze heute noch weglügen muss.
vorwärts immer, rückwärts nimmer
E.H.
Zitat von michaka13 im Beitrag #203Zitat von Gogelmosch im Beitrag #193
Am Anfang gibt es einige Kilometer Spergebiet, nur mit Passierschein zu betreten, aber leicht zu umgehen. Dann folgte ein 2 Meter geharkter Kontrollstreifen aus Sand (K2 genannt) vor dem Signalzaun 2 Meter hoch mit Signaldrähten unter Schwachstrom. Nun gab es je nach Gegend 500-1000 Meter Grenzland mit Wald,Feld und Wiese. Nun kam der Kolonnenweg für Fahrzeuge und Wachtürme im Abstand von ca.1 km, dazwischen die Grenzposten. Anschließend war der Kfz-Sperrgraben gefolgt vom K6 (wieder Kontrollstreifen 6 Meter geharkt) und der 3 Meter hoher Maschendrahtzaun. Selbstschußanlagen wurden Mitte der 80er Jahre vollständig entfernt und Mininfelder, die sich teilweise im K6 befanden, auch. Innerhalb dieses Abschnittes gab es noch Hunde an einer Laufleine und durch Stolperdraht auslösende Warnschußanlagen.
Bei dunkler Nacht ist gezieltes Feuer auf Beine einer sich bewegenden Person unmöglich, weil man zittert und die beschossene Person sich duckt, somit wird der Körper getroffen. Grenzer waren nur mit der Absicht an der Grenze, heil nach Hause zu kommen und nie einen Flüchtenden zu treffen.
Meine Güte. Wenn ich das so lese, kommt mir dieses System DDR immer abartiger vor. Was für ein Aufwand, um ein paar Hanseln davon abzuhalten die Welt kennenzulernen.
Gruß,
micha
Sparen heißt hungern für die Erben....
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Zitat von Weinböhlaer im Beitrag #214
Jeder sichert die Grenze wie er es für nötig hält, auch die EU
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Zitat von igorsubotnik im Beitrag #215
Mit Deutschland als Sozialamt der Welt würde Deutschland schlagartig selbst bankrott sei. Es gibt jetzt bereits 60 % seines Erwirtschafteten für Pump und Soziales aus.
vorwärts immer, rückwärts nimmer
E.H.
Weinböhlaer schrieb:
Zitat
Jeder sichert die Grenze wie er es für nötig hält, auch die EU
https://www.google.de/search?q=Ceuta+gre...iw=1280&bih=868
Nur die Kommentare und Begründungen dazu kommen auf den eigenen Standpunkt an.
...oder auch die USA
https://www.google.de/search?q=Grenze+Me...iw=1280&bih=868
Der Unterschied zwischen den von Dir genannten Grenzen und den Grenzen der DDR ist, das die einen sich vor Einwirkungen und Flüchtlingen von außen schützen, während die anderen in panischer Angst vor dem eigenen Volk ihre Grenze nach innen sicherten.
Diesen Unterschied verschweigst Du aber entweder bewußt oder Du hast ihn vergessen.
Gruß,
micha
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Zitat
während die anderen in panischer Angst vor dem eigenen Volk ihre Grenze nach innen sicherten.
Wir sollten zu unserem Glück eben gezwungen werden. Angst vor dem Volk und es deshalb behalten ist doch eigentlich ein Widerspruch.
Angst, das der Firma DDR die Arbeitskräfte weglaufen, trifft es eher.
.
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E.H.
Ich frage mich gerade, warum wollten denn die Arbeitskräfte aus dem schönen, sozialistischen Arbeiter- und Bauernparadies weglaufen?
Gruß,
micha
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Die waren schlecht informiert über das, was sie auf der anderen Seite erwarteten würde.
Tausende haben die Quittung dafür erhalten, tausende andere haben eine Chance nutzen können.
Es wird im Ergebnis immer gut und schlecht geben.
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vorwärts immer, rückwärts nimmer
E.H.
Also hatten sie eine Chance im Westen, die sie im Osten offenbar nicht hatten.
Ich wurde mit meinen Klassenkameraden ausführlich informiert was uns im Westen erwarten würde. Im Stabüunterricht, während der Wehrkundeausbildung, im ND stand das und und und. Hunger, Armut, Arbeitslosigkeit, die Mißachtung von Menschenrechten, usw. Das war der Westen, wurde uns beigebracht. Trotzdem sind 2 mit ihren Eltern legal ausgereist. 2 weitere versuchten 1988, während der Ausbildung in den Westen abzuhauen. Uber die damalige CSSR. Sie wurden geschnappt.
Gruß,
micha
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Michaka, das ist eine Betrachtungsweise des Alters, des Erreichten, der Chancen und auch des Glücks.
Viele hatten die Möglichkeit, neu zu beginnen, aber eben nicht alle.
Jeder mußte für sich selbst entscheiden und vor sich selbst verantworten, was er will, was er tut.
Ich verurteile nicht diejenigen, die gegangen sind, vielleicht wäre ich im Alter von Anfang 20 auch weggewesen.
Da hatte ich noch keine drei Kinder, keine Firma, kein Haus mit 2500 m² Grundstück.
Und eigentlich sollte ja dann auch im Handwerk der Aufschwung Ost kommen, leider dauerte der nur wenige Jahre, weil das Konzept fehlte.
Wären meine Eltern spätestens 61 rüber, finanzielle Unterstützung hätten wir gehabt, kein Thema. Die Frage, was wird aus ihren Müttern, hielt sie
letztendlich ab. Später war das Risiko für Leib und Leben zu hoch.
Hätte ich heute die Chance, noch einmal jung zu sein, mein Leben verliefe anders.
Aber in den 50-ern/60-ern und auch noch danach hatte der Großteil im Osten noch Hoffnung, die dann später leider keine Erfüllung fand.
Es ging ein paar Jahre rapide aufwärts, aber eben nur ein paar Jahre,leider.
vorwärts immer, rückwärts nimmer
E.H.
Zitat von altberlin im Beitrag #222
das ist eine Betrachtungsweise des Alters
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@ altberlin, glaube ich Dir gern, das das Leben in den Sechzigern anders war als in den Achtzigern.
Ich möchte noch mal auf diesen Satz von Dir zurück kommen:
Zitat
Die waren schlecht informiert über das, was sie auf der anderen Seite erwarteten würde
Ich schrieb ja gerade, was mir so beigebracht wurde über den Westen. Die DDR, die UdSSR, RGW usw. wurden selbstverständlich als das Paradies dargestellt. Und ich habe das geglaubt. Wie sollte ich auch einen Vergleich ziehen? Infos von der anderen Seite hatte ich nicht. Ich war glücklich in einem so tollen Staat wie der DDR aufzuwachsen, in Sicherheit und Frieden. Ich war froh darüber das die Sowjetarmee uns vor den Faschisten in der BRD schützte. Ach, was wurde uns da alles von unserem Direktor, gleichzeitig Stabülehrer, erzählt. In der Bundeswehr grüßt man mit dem Hitlergruß. Die Menschen in der BRD hungern. Ärztliche Versorgung gibts da nur für reiche Kapitalisten. Und was weiß ich noch für Schmarrn. Ich war wirklich froh, in der DDR zu leben.
Zum ersten Mal überlegt habe ich kurz mit 14. Wir wohnten damals noch in Teutschenthal, einem kleinen Dorf im Saalkreis. Smithie kennt es sicher. Es gab ein Kaliwerk dort. 1984 oder 1985 kamen Österreicher. Sie bauten dort eine neue Anlage. Sie fuhren schicke Autos, waren wohlgenährt, trugen tolle Klamotten. Sie hatten die Taschen voller Geld, lebten in Saus und Braus. Auf der Baustelle Riesenradlader, Kräne, Bagger. Sollte das der sterbende Kapitalismus sein? Waren das die hungernden, ausgebeuteten Arbeiter, die zu Hause in verfallenen Häusern leben sollten, während sie bei uns lebten wie Könige? Zweifel kamen auf. Allerdings nicht für lange. Die sozialistische Erziehung saß viel zu tief.
In der neunten Klasse wurde im Geschichtsunterricht über den II. Weltkrieg gesprochen. Wir lernten wie die ruhmreiche Rote Armee Europa von den Hitlerfaschisten befreite. Auch wurde von den Gräueltaten der deutschen Soldaten in Russland berichtet. Alles kriege ich heute nicht mehr zusammen. Eines jedoch blieb hängen. Unser Geschichtslehrer erzählte uns, das deutsche Soldaten, wenn sie eine Ortschaft in Russland einnahmen, kleine Kinder auf ihre Bajonette spießten und in die Luft warfen. Für mich als 15-jährigen Jugendlichen war so etwas unvorstellbar. Mein Opa väterlicherseits war auch bei der Wehrmacht. Er beendete den Krieg als Hauptmann in kanadischer Gefangenschaft. Und dieser Mann, der immer so lieb und nett zu uns war, sollte ein paar Jahre zuvor ein solches Monster gewesen sein, das kleine Kinder aufspießte? Also stellte ich Fragen. Im Unterricht. Ich merkte jedoch schnell, das das nicht sonderlich erwünscht war. Viele und lange Gespräche beim Direktor folgten. Ich würde die gerechte Sache des Sozialismus in Zweifel ziehen, an den Erfolgen und den Vorstellungen der großen Sowjetunion rütteln, usw. Jetzt kamen mir erst recht Zweifel. Ein solches Brimborium wegen ein paar gezielten Nachfragen?
Dann kamen die Offiziere in die Schule. Man machte uns 15-jährigen das Leben in der NVA schmackhaft. Das was uns erzählt wurde, muß der Dienst in der NVA ein wahres Paradies gewesen sein. Ein Abenteuer wie es kein zweites geben würde. Ich war ein guter Schüler. Die POS habe ich mit "Sehr Gut" abgeschlossen. Hatte geplant auf die EOS zu gehen und später zu studieren. Mathematik, Physik vielleicht. Daran hatte ich Spaß. Mir wurde deutlich gemacht, das ein Studium nur möglich wäre, wenn ich mich 3 Jahre zur NVA verpflichten würde. Mein Gott, was wurde da von einem 15-jährigen erwartet. Ich hatte überhaupt keine Lust auf Armee. Da fiel dann von meiner Seite, der für mich völlig unverfängliche Satz: " Ich krauche doch nicht 3 Jahre durch den Schlamm, wenn ich auch was vernünftiges machen kann". Von da an war ich abgestempelt. Ich durfte nicht mehr mit zu Klassenfahrten, durfte nicht an irgendwelchen Jugendstunden (oder wie das hieß) teilnehmen. Nicht mal beim Sportfest durfte ich mitmachen. Überall nur Ausgrenzung. Kannst Du Dir vorstellen, wie man sich da als 15-jähriger Jugendlicher fühlt? EOS war natürlich gestorben für mich. Nicht mal meinen Ausbildungsplatz durfte ich mir selber aussuchen. Auch der wurde mir zugewiesen. Mußte dann eine Lehre zum Elektromonteur bei der DR machen.Dazu kam, aus Trotz bin ich nach der 10. Klasse aus der FDJ und der DSF ausgetreten. Hatte eigentlich keinen politischen Hintergrund, war eine reine Trotzreaktion. Irgendwie brachte dies das Fass endgültig zum Überlaufen. Meine Ausbilder behandelten mich wie einen Aussätzigen. Ich konnte machen was ich wollte, es war immer falsch. Wenn ich daran denke, wie oft ich die Schrottbox aufräumen mußte. Alu, Kupfer und Bronze, immer schön trennen. Die Woche drauf war wieder alles zusammengeschmissen und ich habe von vorn angefangen. Was gelernt habe ich nicht wirklich. Mit Ach und Krach habe ich meinen Abschluß hinbekommen.
Mit jedem Tag wuchsen damals die Zweifel. Was hatte ich eigentlich getan? Ich hatte niemanden geschadet. Nur eins- zweimal ein paar Fragen gestellt. Die Mauer kam mir damals nicht mehr als Schutzwall gegen den Westen vor. Für mich war sie nur noch die Begrenzung eines riesigen Gefängnisses. Damals reiften die Pläne, ich muß hier raus. Aber da war auch die Angst. Jeder in der DDR wußte doch, das die Grenze scharf gesichert war, das auf Flüchtlinge geschossen wurde. Das kann in den Achtzigern doch niemandem mehr unbekannt gewesen sein. Die Ereignisse überrollten dann meine Pläne. Ich bin sofort nach Bayern. Zu groß war die Angst, die Staatsmacht könnte alles wieder rückgängig machen. Bis heute habe ich diesen Schritt nicht bereut. Ich konnte endlich frei leben. Ich konnte mir die Arbeit aussuchen, die mir gefiel, woran ich Spaß hatte. Ich konnte reisen, die Welt entdecken, mein Leben machte mir wieder Spaß. Ironie der Geschichte. Den Dienst in der NVA wollte ich nicht, aber ein Jahr später landete ich bei der Bundeswehr, wo ich acht Jahre blieb. Allerdings war das meine freie Entscheidung.
Ich weine dieser DDR keine Träne nach. Vier, Fünf Jahre nur Erniedrigung, Ausgrenzung, Demütigung. Wenn das der real existierende Sozialismus ist (war), kann ich da gerne drauf verzichten.
Bevor jetzt wieder jemand kommt und erzählt so war es nicht, das waren meine Erlebnisse. Manche haben vielleicht ähnliches erlebt, mancher hatte völlig andere Erlebnisse Ich bitte das zu bedenken.
Schöne Grüße,
micha
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Ganz schön mutig Micha hier in diesem Kreia einen Teil deiner persönlichen DDR-Geschichte zu erzählen. Danke dafür !
Ich glaube dass es auch mehr diese "kleinen" Schikanen im Alltag waren die viele Bürger mürbe machten als die Grenze an sich.
Mein Opa (Frührentner wegen einen Lungenerkrankung) wünschte sich nichts mehr als gemeinsam mit meiner Oma zu uns zu Besuch kommen zu dürfen. Dann starb die Mutter meiner Oma in Hannover und er dachte dass es nun endlich so weit wäre. Er als Rentner und sie in dringenden Familienangelegenheiten. 4 Kinder und einige Enkelkinder hatten sie in der DDR und haben nicht einen einzigen Moment daran gedacht die DDR zu verlassen.
Die gemeinsame Reise wurde nicht genehmigt und Opa verstand die Welt nicht mehr, schmiss bei der Polizei sein Parteibuch auf den Tisch und aus einem braven DDR-Bürger war ein (wenn auch stiller) Gegner des Regimes geworden.
Schlawine
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Harald Zindler, dt. Umweltaktivist, 1981 Mitbegründer Greenpeace Deutschland
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