Ossi Forum - bundesweites Kontakt- und Unterhaltungsforum
RE: War die DDR bankrott? - 11
Bundesweites Kontakt- und Unterhaltungsforum mit Landkarte. Ossis und Wessis diskutieren hier über Gott und die Welt. Aktuelle Themen aus vielen Bereichen, Alltägliches, Themen zur deutschen Geschichte und natürlich regelmäßige Treffen machen diese Plattform aus.
Ich denke, dass man bei diesem Thema SEHR STARK differenzieren muss!
Dass die DDR bankrott war, ist eine Tatsache – aber keine Schuldzuweisung an die Werktaetigen! Ein Betrieb kann noch so fleissige Mitarbeiter haben – wenn die Leitung nichts taugt, dann wird es nichts. Im Westen wird gern angefuehrt, “die” haben doch nix geschafft (und waren z. B. waehrend der Arbeitszeit einkaufen o. ae.). Nun, wenn es nur waehrend der Arbeitszeiten Mangelwaren gab, dann war das eben unumgaenglich…(kann man froh sein, dass es im Westen zu jeder Zeit alles gab!). Nein, Fleiss und Produktivitaet sind streng zu trennen.
Dazu Beispiele:
1.) Die Deutsche Reichsbahn galt (auch in den West-Fachkreisen) als das leistungsfaehigste Eisenbahnunternehmen weltweit, wenn man die Mitarbeiter-Zahl in Relation zu den tkm (Tonnen-Kilometer, also Ladungsgewicht mal Strecke) bzw. pkm (Personen-Kilometer, also Reisenden-Anzahl mal Strecke) setzte – dennoch waren aufgrund des Fleisses der Eisenbahner (insbesondere unter Beruecksichtigung der Tatsache, dass viele Hauptstrecken nur eingleisig waren und die Hg 120 km/h betrug) relativ puenktlich. GLEICHZEITIG aber war es (volkswirtschaftlich betrachtet) Schwachsinn, wenn fuer die Robur-Endmontage (“LO”) in Zittau Teile in Bautzen oder Cunewalde (Motorenwerk) produziert und dann per Bahn umstaendlich zugefuehrt wurden – Motoren wurden teilweise von Sachsen an die Ostsee zum Ventile einschleifen transportiert! Hier haben viele Menschen viel Arbeit, machen das Unmoegliche moeglich – aber deswegen ist es noch lange nicht wirtschaftlich…
2.) Die Mikro-Elektronik (“Robotron”) war ein Prestige-Objekt – zu einer Zeit, als man elektronische Bau-Elemente fuer kleines Geld in Fernost kaufen konnte, baute die DDR-Fuehrung unter grossen Schwierigkeiten (und mit erheblichen Rueckschlaegen) eine eigene Halbleiter-Fertigung auf – auf den Messen im Westen wurde dann immer von Makro-Elektronik gewitzelt (“Robotron baut den ersten begehbaren Computer”). Die Mitarbeiter waren fleissig und haben sich bemueht – aber Weltspitze war das keinesfalls…
3.) Der (Schwer-)Maschinenbau (“TAKRAF”, “SKET”, “LOWA”,…) war in erster Linie ueber den Preis erfolgreich – man bot solide Technik, meist nicht “up-to-date”, dafuer aber erprobt, robust und zuverlaessig und –vor allem!- “fuer kleines Geld” an! So kam “der Westen” preiswert an Ausruestung und die DDR an die begehrte Valuta…
4.) Staedtebau: Es gab z. B. in meiner Heimatstadt Bautzen ganze Stadtviertel (Altstadt, spez. Heringstr.) die verfielen und unbewohnbar waren – aber nicht genug Kapazitaeten, die ach so tollen Plaene, die man seit den 60er Jahren hatte (Neubau der Innenstadt) auch umzusetzen – lediglich am Postplatz (im Geb. der heutigen Raiffeisen-Genossenschaft), in der Karl-Marx-Str. (frueher Buch&Kunst, heute Sporthaus) und an der Stelle des Hochhauses (heute abgerissen) hatte man begonnen. Statt einem geplanten Hallenbad fuer den Stadtteil Gesundbrunnen wurde dieses in Berlin gebaut (“Spende” fuer die Hauptstadt…) – haette man das Geld gehabt, waeren die Staedte und die Infrastruktur (Schienenwege, Autobahnen, Leitungsnetze) nicht zusehends zerfallen.
5.) Sonderlast Reparation: Waehrend “der Westen” nur relativ kurze Zeit Reparationen leistete und die West-Alliierten schon bald beim Neubeginn halfen (der dann oftmals mit neuen und modernen Produktionsanlagen erfolgreich war), baute die SU nicht nur grosse Teile der Industrie und Infrastruktur ab, sondern verlangte zusaetzlich noch recht lange Reparationsleistungen – die vom Staat ja erst einmal erwirtschaftet werden mussten…
6.) Sonderlast Staatsapparat: Ein verhaeltnismaessig kleiner Staat wie die DDR (mit rund 17 Mio. Einwohnern etwa so gross wie Nordrhein-Westfalen) leistet sich nicht nur eine sehr grosse Armee, sondern auch einen riesigen Apparat fuer Polizei und Staatssicherheit – diese Mitarbeiter erwirtschafteten ja keinen volkswirtschaftlichen Gewinn, sondern kosteten den Staat immense Summen (vor allem, wenn man neben den Personal- auch noch die Materialkosten bedenkt)! Man stelle sich vor, die DDR-Regierung haette die gewaltigen Kosten fuer die StaSi und einen Teil der Kosten fuer das Militaer einsparen und fuer andere Zwecke investieren koennen…
NUR: All’ das ist ja nicht von den Werktaetigen entschieden, sondern von “der Politik” verordnet worden – wobei man zu recht fragen darf, inwiefern hier die SU, die SED oder die StaSi Entscheidungen traf…
Ich wundere mich manchmal, dass das ueberhaupt so lange funktioniert hat… Und “die paar Kroeten” auf Schweizer Konten (um die ja z. T. auch lange gekaempft wurde, man erinnere sich an die Ansprueche der SED/PDS…) haetten den Laden auch nicht gerettet.
Andererseits: Gerade Selbstaendige mussten “aus Sch@@@@e” was machen koennen, um zu ueberleben – war ja nicht wie heute, wo man alles kaufen kann und oftmals wegwerfen und neu kaufen billiger ist als eine Reparatur…
Danke für Deinen amüsanten Beitrag Bautzner Senf Aber ist doch prima, wenn die Leute auf den Strecken der DR einen RR von 120 mm Hg hatten:-))) Wird von der WHO als optimal proklamiert. Gruß
P.s. bei Vmax. hätte ich nicht so geschmunzelt.
Lieber von Christo verpackt, als vom Leben gezeichnet
es ist irgendwie kleinlich bis peinlich, wenn fehlschläger, und das wurde/wird ja ausreichend belegt in der aktuellen/vergangenen politik, andere, die es schon zwanzig jahre nicht mehr gibt, für ihr eigenes versagen verantwortlich machen.
In Antwort auf:Die damalige DDR war es im Vorfeld der Wende und ebenso die damalige BRD. Die Wiedervereinigung passte genau..., für wen im nachhinein?
Ich verstehe auch nicht die Undankbarkeit der Wessis.
Immerhin hatte Unsere Republik ihnen ein unverhofftes Investitionsprogramm verschafft und die Kosten für den planmäßigen Aufbau des Sozialismus werden nun in bequemen Raten per Nachnahme entrichtet.
auf alle fälle lese ich, erst seit der wende, jährlich von irgendwelchen krisen. absatzkrise, arbeitslosenkrise, gaskrise, bildungskrise, rentenkrise, piratenkrise, afghanistankrise, globalisierungskrise, europakrise u.v.m.
offensichtlich haben wir uns einen krisenpartner gesucht und gefunden.
wie wär es zur abwechslung mal mit einer autonomie?
Zitat von bummi offensichtlich haben wir uns einen krisenpartner gesucht und gefunden. wie wär es zur abwechslung mal mit einer autonomie?
Ah ja, der Bummi möchte eine staatliche Autonomie. Deine Freunde vom Zentralkomitee der SED und die vielen Genossen hatten 40 Jahre lang Autonomie und Zeit, den Staat DDR als für alle Menschen lebenswert zu gestalten. Das haben "die" aber nun gründlich vergeigt. Sich nun hinstellen und alles schlechte an der derzeitigen Gesellschaftsordnung aufzuzählen und "den Finger in die Wunde legen" finde ich schon peinlich, wenn man es selbst nicht auf die Reihe bekommen hat, eine bessere Gesellschaftsordnung zu schaffen. Die Grundidee einer klassenlosen Gesellschaft finde ich auch heute noch gut, allerdings hat die SED mit ihrer Planwirtschaft und der damit verbundenen Mangelwirtschaft und mit ihrem Repressionsapparat mit Namen Staatsicherheit und unzähligen weiteren Beschränkungen den Menschen diese klassenlose Gesellschaft so gründlich verleidet, das die SED und ihr Staat 1989 hinweggefegt wurden Man kann es drehen wie man will, der breiten Masse der Menschen geht es heute materiell um einiges besser, als unter der Fuchtel der SED. Meine Eltern hatten in der DDR keinen eigenen PKW, ich besitze einen. Nicht mal das normale menschliche Bedürfnis der individuellen Mobilität konnte die DDR in den 40 Jahren ihrer Existenz ohne Einschränkungen befriedigen. Wenn man die Veränderungen in den neuen Bundesländern seit 1989 sehen will, dann findet man auch viele positive, spontan fällt mir da der Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden ein. Statt dem sozialistischen Grau in Grau gibt es nun marktwirtschaftliche Farbe in den Gemeinden und Städten. Es ist mir schon klar und es liegt in der Natur der Sache, das gerade die Alt-Kommunisten solche Veränderungen nicht sehen wollen. Diese Menschen wird man bis zu ihrem Tod nicht mehr ändern.
Wenn du im Recht bist, kannst du dir leisten, die Ruhe zu bewahren; und wenn du im Unrecht bist, kannst du dir nicht leisten, sie zu verlieren.
Zitat von bummiauf alle fälle lese ich, erst seit der wende, jährlich von irgendwelchen krisen. absatzkrise, arbeitslosenkrise, gaskrise, bildungskrise, rentenkrise, piratenkrise, afghanistankrise, globalisierungskrise, europakrise u.v.m.
offensichtlich haben wir uns einen krisenpartner gesucht und gefunden.
wie wär es zur abwechslung mal mit einer autonomie?
kh
Hallo @bummi, ...hübsch ist die "Piratenkrise"! :-) Auch die "Gaskrise" ist nicht schlecht. Die "Absatzkrise" scheint aber wohl nur partieller Natur zu dein, denn sonst könnten sich einige Leute nicht darüber beklagen, dass sich manch' andere dumm und dämlich verdienen...
Aber, wie @Weilheimer schon sagte, 40 Jahre Sozialismus waren auch keine Lösung, sondern das Problem: = 40 Jahre Dauerkrise. Was gab es da nicht alles für Krisen: Versorgungskrisen, Zulieferkrisen, Engpasskrisen, Trabant- und Wartburg - Lieferzeitkrisen, Papierzuteilungskrisen, Devisenkrisen, Energiekrisen, Reisefreiheitskrisen, Ausreisegenehmigungserteilungskrisen, Informationsfreiheitskrisen, Flüchtlingskrisen...
Und, wieso konnte man von all' dem nichts im "Neuen Deutschland" lesen? Weil es nicht stattzufinden hatte, zumindest nicht im öffentlichen Bewusstsein. Es wurde unter den Teppich gekehrt, wegzensiert. Die Presse war ja gleichgeschaltet - wie schon bei Hitler.
Es konnte nicht sein, weil es nicht sein durfte.
Die Ideologie sah derartiges nicht vor. Also, müssen dies zwangsläufig alles nur Erfindungen des Klassenfeindes sein, real haben die natürlich nie existiert... Genau wie in "good bye, Lenin" sind demnach Abertausende ehemalige Wessis in die DDR gestürmt, um endlich der Knechtschaft des Kapitalismus zu entrinnen... "newspeech" aus "1984" lässt grüßen ("Liebe ist Hass, Freiheit ist Knechtschaft, ...")
So kann man alles auf den Kopf stellen - das musst du dann glauben, basta!
Nur der Begriff "Autonomie" passt hier so gar nicht rein, weil er nicht das Gegenteil von "Krise" ist. Aber vielleicht meinst Du ja die Autonomie der Betrachtungsweise...?
Armer Bummi! Hast Deine Meinung gesagt und dann wird auf Dir rumgehackt. Es ändert sich nichts. Weder politisch noch in den Köpfen. Ich schreibe schon lange nichts mehr zu solchen Themen. Freie Meinung ? Da kann ich nicht mal mehr lachen.
queeny
Wenn Ihr eure Augen nicht gebraucht, um zu sehen, werdet Ihr sie brauchen, um zu weinen. J. P. Sartre
Queeny, was hast du bitteschön erwartet, ungeteilte Zustimmung zu Bummis Beiträgen? Ich glaube das es die hier nicht geben wird, weil das Ossiforum, siehe Eingangsseite, kein Nostalgieforum ist. Wer sich hier anmeldet, sollte das berücksichtigen. Dafür gibt es andere Foren und Quellen, aus denen der liebe Bummi schon eifrig ziitiert hat und das wurde ihm ja auch gewährt, natürlich nicht ohne Widerspruch. Was soll sich denn ändern, politisch und in den Köpfen, wieder Sozialismus? In einer echten Demokratie entscheidet nun mal die Mehrheit über die Minderheit. 1989 war die DDR "einmal" eine echte demokratische Republik und die Mehrheit hat sich gegen den Sozialismus entschieden. Das müssen nun auch die akzeptieren, die diese Entwicklung nicht mittragen. Das sind und waren meist genau diejenigen, welche vorher ihre Chance und die Möglichkeit hatten, das Volk der DDR davon zu überzeugen, dass der Sozialismus die bessere und gerechtere Gesellschaftsordnung ist. Die DDR war 1989 nicht nur wirtschaftlich am Ende. Sie war auch in der Köpfen und Herzen der Menschen der DDR "gestorben".
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Ich will mich hier nicht herumstreiten, Weili. Das ist es mir nicht wert. Der Ton macht die Musik. In diesem Fall, und das schon seit längerer Zeit, der Ton der Lautesten, wie Wega so treffend schrieb. Klar habe ích auch zum diesem Thema meine eigene Meinung, die ich aus dem Stehgreif niederschreiben könnte. Und dies ohne vorher Mr. Google zu befragen. Ansonsten halte ich nichts von Ostnostalgie! Bald wird das Thema heißen: Ist die Bunderepublik bankrott? Dann nämlich, wenn die Krise kein Ende nimmt und wir fast alle auf der Straße stehen. Dann werden manche ratlos sein, sehr viele wütend und manche rasend. Vielleicht gehe ich Sonntag mal in die Kirche und bete und zünde eine Kerze an. Könnte ja mal helfen, denn die Hoffnung stirbt ja bekanntlich immer zuletzt.
queeny
Wenn Ihr eure Augen nicht gebraucht, um zu sehen, werdet Ihr sie brauchen, um zu weinen. J. P. Sartre
Das mit dem "Ton der Lautesten" passt in einem Forum nicht, weil jeder hat die Möglichkeiten hier Argumente zu bringen, ohne Gefahr "niedergeschrieen" zu werden. Auch wenn die Masse anderer Meinung ist, die Argumente der Minderheit kann man hier weiter lesen. Die BRD ist hoch verschuldet, das ist wohl wahr, aber immer noch ein wirtschaftlich starkes Land. Wir aus dem Osten haben doch Marx gelesen und deshalb müsste doch eigentlich jeder wissen, das der Kapitalismus zyklisch verläuft und solche "Krisen" normal sind. Ein jahrzehntelanges Wachstum kann es nicht geben, es kommt zu Bereinigung der Märkte. Das erleben wir gerade. Während solcher Krisen, brechen Firmen zusammen, andere gehen gestärkt daraus hervor. Diese Krise ist ein reinigendes Gewitter, die Stärksten überleben.
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Es gibt hier im Forum einige, die bei politischen Themen Deutschland betreffend, jede Objektivität vermissen lassen. Es ist immer das gleiche rumgeseiere: ...damals, in der DDR war alles besser...blablabla... heute ist alles ungerechter, kein Zusammenhalt mehr...blabla.. NVA war toll, Ostprodukte sind besser ...blablabla... Gottlob sind die Zeiten einseitiger, politischer Agitation vorbei und gottlob gehören Ex-SED-Genossen mit ihren Sympathisanten einer aussterbenden Spezies an. Heute darf man endlich den Mund aufmachen und muß nicht hinter vorgehaltener Hand tuscheln - das dürfen wir nie vergessen! Ich kann Weilis Unmut verstehen!
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