Kindertag. Wie jedes Jahr …Sportfest. Turnbeutel eingepackt und ab in die Schule. Lust hatte ich überhaupt nicht. Ich war klein und unsportlich. Einzig Schach machte mir Spaß. Schöne Sportart, bei der man sich nicht umziehen musste.
Auf dem Schulhof alle ziemlich aufgeregt. Die großen Jungs zeigten den Mädels ihre Muskeln und die den Jungs ihre nicht vorhandenen …nein, ich war noch nicht so weit. Außerdem war meine Pubertät noch Dimensionen entfernt. Geschaut hab ich trotzdem auf die großen Mädels. Wieder mal egal.
Acht Uhr und der Wahnsinn nahm seinen Lauf. Erste Station …Schlagball. Die Mädels waren wirklich gut. Bevor ich dran war, fragte ich meine Lehrerin, ob ich nicht doch lieber Schach spielen könnte. Die zeigte mir 'nen Vogel. Mein Wurf …achtzehn Meter. Nur Moni war schlechter. Aber der war schlecht…Frauenkrankheit. Auch gut. Evi hatte kein T-Shirt mit Westwerbung. Schade. Hätte ihr wirklich beim Umziehen geholfen und selbiges als Timurtat abgerechnet. Egal.
Zweite Station …60 meter-Lauf. Nicht meins. Wieder fragte ich wegen Schach. Jetzt wurde meine Lehrerin böse. Ich schlich die paar Meter und war der schlechteste der Jungs. Selbst der dicke Timo war schneller. Streber, dachte ich. Die großen Jungs kicherten dämlich über "hüpfende Bälle". Was die wohl damit meinten? Die Medizinbälle sicher nicht, denn die hüpften selten. Egal.
Dritte Station …Weitsprung. Ich saß abseits und kratzte den Hintern von Evi in den Sand. Ich war dran. Drei Mal übergetreten. Disqualifiziert. Na also, ging doch. Ich schmierte mir vor Glück den Rotz an den Arm. Evi schüttelte den Kopf und nebenbei noch die Dinge, an denen sonst Werbung hing. Schön war das auf alle Fälle. Peter musste zum dritten Mal auf Klo und war trotzdem der beste von uns. Eigenartig.
Vierte Station …Stangenklettern. Oben hingen Süßigkeiten. Ich versprach Simone meine Süßigkeiten, wenn sie für mich …tat sie ohne zu murren. Ich sah ihr von unten zu. Schöner Anblick. Neben mir, Christian aus der neunten. Der schien sich für Simone zu interessieren denn er schaute noch genauer hin. Ich hatte nun keine Lust mehr und ging auf Klo. Peter stand neben mir. Ich sagte ihm, dass ich Striche in mein Mathe- Heft mache, wenn er pullern geht. Der grinste, pullerte und ging. Auch mal egal.
Letzte Station …Appell mit Siegerehrung. Ich stand neben Monika und Mischa. Peter war der beste unserer Klasse, ich der schlechteste. In Schach hätte ich sie alle geschlagen, aber niemand hat mich gelassen. Nicht meine Schuld. Beim Abtreten berührte ich ausversehen Monikas Brüste. So sehen Sieger aus.
Heimweg. Alle ziemlich fertig. Zwei kleinere aus der dritten Klasse schmierten sich den Rotz an die Turnsachen. Arme Eltern, dachte ich. Peter pullerte einfach ins Gebüsch. Das war dann das sechste Mal an diesem Tag. Rekord eingestellt. Ich kam ohne Medaille nach Hause, nahm ein Löschblatt und malte Evis Werbung drauf. Der ganze Tag war mir so egal. Richtig egal.
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Hatte auch Vorteile , das Klein sein ! Als kleiner Junge konnte man bei den großen Mädels schön unter die Minniröcke .... jetzt im Alter macht man das aus einer ganz anderen Position heraus , mit Gehstock und Buckel ...
Aber es war schon Sch.... , wenn der Kindertag immer mit Olympiavorbereitung verwechselt wurde !
Frauen sind ja zum Frauentag im Trainingsanzug über Hürden zum Blumenempfang gerannt und die Väter dachten am Vatertag nicht mal an Fußball !
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Mehr solcher Geschichten bitte
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Hab noch viel mehr. Auch in meinem Buch :-)
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Witzige Geschichte, könnte ich gewesen sein. Allerdings haben wir es dann geschafft, dass es bei uns auch die Schacholympiade gab, und so konnte ich Schach spielen, während sich die anderen auf dem Platz abrackerten....
Habe noch eine Menge solcher Medaillen irgendwo im Karton...
Alle Lebewesen außer den Menschen wissen, dass der Hauptzweck des Lebens darin besteht, es zu genießen.
(Samuel Butler)
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