Die Frage von BW ist schon sehr, sehr berechtigt. Ein Toter im Dienst, das hätte auf jeden Fall die Militärstaatsanwaltschaft auf den Plan gerufen mit einer
ganz tiefen und gründlichen Untersuchung. Kein Vorgesetzter wäre dabei ungeschoren davon gekommen. Im Film wird das ja so lax mit: Der Genosse kam bedauerlicherweise wegen
einem Herzfehler zu Tode ab getan. Das war definitiv nicht so. Da hätte man uns rund gemacht...
Auch die Darstellung an der Eskaladierwand hat es so nicht gegeben! Es gab Dienstpläne, die nicht einfach über den Haufen geworfen werden konnten. Da war es un-
möglich, die Ausbildung in´s uferlose ausarten zu lassen. Entweder rückte eine andere Einheit auf den Ausbildungsplatz nach oder die eigene Kompanie mußte an der U-Schule
zu einer anderen Lehrveranstaltung.(Schulbetrieb) Auch undenkbar, das der Dicke stundenlang gegen die Wand anrennt. Hier hätte man zusätzliche Ausbildung in der Freizeit an-
gewiesen. Genauso die plötzliche Schleiferei der Jungs mitten in der Schießtheorie, völliger Schwachsinn. Kann mich auch nicht erinnern, dass sich ein U-Schüler
im Seminar zum Poeten berufen fühlte. Sehr weit hergeholt das ganze.
Der Leutnant war im Film ca. 40 Jahre alt. Viel zu alt, in der Regel war diese Dienstgradgruppe um die Mitte 20. Es gab auch andere Ungereimtheiten- Winteruniform im Spätsommer,der Zug blieb als ernannte Uffz. zusammen,(normalerweise wurden die Uffz. in verschiedene Truppenteile versetzt),die Verurteilung der beiden AA nach Schwedt ohne Degradierung usw. Sicherlich 4 Dinge, die man als künstlerische Freiheit abtun kann.
Wegen öffentlicher Herabwürdigung ist m.E. keiner nach Schwedt gegangen, wegen Angriff auf einen Vorgesetzten schon. Aber den im Film dargestellten Angriff hätte es so auch nicht gegeben, das ist auch künstlerische Freiheit.
Mir ist auch nicht bekannt, dass die NVA in Dresden zum Eisatz kam.
Aber ich will den Film hier nicht zerreden, sondern nur einige Details klar stellen.
ex oriente lux
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Ja so sehe ich das auch !
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Ich habe mir den Film bewußt nicht angeschaut, obwohl ich den Jan - Josef gut leiden mag.
Insofern kann ich da gar nichts zu sagen.
Aber schon die beiden Filmausschnitte reichen mir, um zu sehen, welch düsteres Bild dort gezeichnet wurde. Als ob in der DDR die Sonne nie schien.
Ein Aufenthalt in der Militärstrafvollzugsanstalt Schwedt, war nicht in jedem Falle gleichbedeutend mit Degradierung.
Ich hatte mal einen Ufw., der, während der Ausbildung, einen G-Topf gezündet hat und dabei ein Fallschirmjäger einen schlimmen Hörschaden erlitten hat. Der Ufw. hat die Sicherheitsbestimmungen, trotz nochmaliger, vorheriger Belehrung, sträflich vernachlässigt. Er bekam dafür 6 Monate in der Militärstrafanstalt vom Militärstaatsanwalt aufgebrummt. Eigentlich war es ein guter Mann und wurde durch die Angehörigen seines Zuges (er war Stellv. Zugführer) geachtet. Als er nach den 6 Monaten zurück kam, mußte er diese Zeit nachdienen und war immer noch Ufw. . Er sprach kein Wort über die Zeit in Schwedt. Auch auf Fragen hin nicht. Es war ganz sicher kein Zuckerschlecken dort. Heute ist er übrigens bei der Kriminalpolizei, im Präsidium Eberswalde, hat also auch nach der Wende seinen Weg gemacht. Das freut mich sehr für ihn.
Gruß
Sir W. Churchill
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Ich denke mal , Geschichtsaufarbeitung in Filmen , Serien etc. wird immer ein zweischneidiges Schwert bleiben .
Wie werden wohl damals , als `Werner Holt ` in die Kinos kam , diejenigen die diese Zeit und Entwicklung und Ostfront live erlebt haben , den Film beurteilt haben ??
Für uns Nachgeborene, die wir diese Zeit nicht erlebt haben , war der Film natürlich einsame Spitze , weil er eben doch noch nicht so `Rot gefärbt ` war . Auch die ersten Teile von `Das unsichtbare Visier` waren ja auch Super gemacht , von der Filmmusik , die heute noch vielen im Ohr liegt , ganz zu schweigen .
Auch wäre es im DDR - Fernsehen nie passiert , das Gojko mit einer MZ durch die Prärie gefahren wäre .
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Zitat von Atze im Beitrag #18Scheuklappen kann man -als mündiger Bürger- auch absetzen. Der Ackergaul hat es schwerer.
Ich habe mir den Film bewußt nicht angeschaut
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Für einige "Wessis" wird die DDR in diesem Film positiv (die gesellschaftlichen Zwänge mal ausgeklammert!) dargestellt.
Für einige "Ossis" wird die DDR ggf. nicht ausreichend glorifiziert.
Vielleicht trifft der Film damit den Kern?
[/quote]
@ BW, das würde mich wirklich mal interessieren: Was empfindest Du als Wessi in diesem Film positiv über die DDR.
ex oriente lux
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Zitat von BesserWessi0815 im Beitrag #20Zitat von Atze im Beitrag #18Scheuklappen kann man -als mündiger Bürger- auch absetzen. Der Ackergaul hat es schwerer.
Ich habe mir den Film bewußt nicht angeschaut
Der Turm (1)
Der Turm (2)
... tut auch gar nicht weh
Für einige "Wessis" wird die DDR in diesem Film positiv (die gesellschaftlichen Zwänge mal ausgeklammert!) dargestellt.
Für einige "Ossis" wird die DDR ggf. nicht ausreichend glorifiziert.
Vielleicht trifft der Film damit den Kern?
Sir W. Churchill
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Bravo Atze , dass ist das was ich immer sage. Wir hatten zwar nicht das was wir heute haben , aber wir waren dafür Schuldenfrei und haben ruhiger gelebt.
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Zitat
All dieser Müll wird dann noch durch Aussagen der hoch verehrten Bundezkanzlerin und einem Nazikindes, namens Gauck, verallgemeinert, dass ca. 50 % der Bürger der DDR, sich in dieser nicht wohl gefühlt haben. Woher wissen die dass?
Sorry Atze, aber das ist unterstes Niveau! Herrn Gauck als Nazikind zu bezeichnen, weil sein Vater in der NSDAP war, ihn für irgendwelche Verfehlungen der Eltern verantwortlich machen, sowas geht überhaupt nicht!
Das sind Worte die ich eher von anderen Usern erwartet hätte, aber nicht von jemanden mit Deinem Intellekt!
Kopfschüttelnde Grüße,
micha
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michaka 13
Hier muß ich Atze präzisieren. Gauck sagt in seiner Biographie selbst, dass ihn sein Onkel Schmitt stark geprägt hat. Und Onkel Gerhard Schmitt
war SA- Gruppenführer(vergleichbar General). Er gab weltanschaulichen Unterricht.(Wiki) Nach Ausscheiden aus der SA war Onkel Schmitt bis 1945 Militäroberpfarrer bei der Kriegsmarine.
Du kannst Dir selbst einen Reim darauf machen, wie dieser Onkel den kleinen bzw. jungen Gauck beeinflußt hat. Und diese Beeinflussung wirkt bis heute nach.
ex oriente lux
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Zitat von michaka13 im Beitrag #24Zitat
All dieser Müll wird dann noch durch Aussagen der hoch verehrten Bundezkanzlerin und einem Nazikindes, namens Gauck, verallgemeinert, dass ca. 50 % der Bürger der DDR, sich in dieser nicht wohl gefühlt haben. Woher wissen die dass?
Sorry Atze, aber das ist unterstes Niveau!Herrn Gauck als Nazikind zu bezeichnen, weil sein Vater in der NSDAP war, ihn für irgendwelche Verfehlungen der Eltern verantwortlich machen, sowas geht überhaupt nicht!
Das sind Worte die ich eher von anderen Usern erwartet hätte, aber nicht von jemanden mit Deinem Intellekt!
Kopfschüttelnde Grüße,
micha
Im Ansatz mögest du recht haben, aber ist es nicht so, das Gauck genau das jetzt mit den Nachkommen der Hitlergenerationen tut, indem der
in den Fußstapfen der Brands, Wolffs, Weizäcker und wie sie alle geheißen weiterhin Kniefälle vor den Juden macht.......und deren Kriege
und Morde im eigenen Staat gutheißen......was dem einen recht ist, muß dem andern billig sein......
wer fehler findet, darf sie behalten, ich habe reichlich davon.
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Zitat von Engineer im Beitrag #21Viele kannten die DDR vor 1989 -wenn überhaupt- nur durch Transitreisen von/nach Berlin oder durch Erzählungen von Freunden / Nachbarn, die aus der DDR stammen und gelegentlich Freunde dort besuchten. Unsere Familie hat nur einen aus dem Rheinland ausgewanderten Großonkel in Berlin-Charlottenburg gehabt, der nach Kriegsende seine aus Köpenick stammende Frau heiratete.
@ BW, das würde mich wirklich mal interessieren: Was empfindest Du als Wessi in diesem Film positiv über die DDR.
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Ich habe mir am Donnerstag beide Teile nacheinander angesehen und muss sagen, dass mich der Film ganz schön bewegt hat. Dies lag in erster Linie daran, dass er mich in vielen Dingen an mein Leben in den 80ern erinnert hat. Und daran, dass ich Menschen kennengelernt habe, die genau den Typen im Film entsprachen. Ich bin nach dem Studium zum Grundwehrdienst eingezogen worden und habe auch da verschiedenste Typen erlebt. Sicherlich ist im Film einiges überzeichnet worden, aber die Sinnlosigkeit dieses Wehrdienstes, so wie sie meine Kameraden und ich empfunden haben, die kam doch gut zum Ausdruck.
Der Film wollte nach meinem Verständnis zeigen, wie Menschen mit der Schizophrenie der Gesellschaft in der DDR umgegangen sind, mit diesen permanenten Widersprüchen zwischen Realität und Praxis, zwischen dem, was im ND stand und dem, was man auf der Straße sah. Als Naturwissenschaftler, dem in einer exzellenten Ausbildung analytisches Denken beigebracht wurde, sah ich auch über viele Jahre keinen Ausweg aus der Gesamtsituation. Glücklicherweise konnte ich im Beruf einiges bewegen und hatte eine Familie, die zusammen hielt, so dass die Enge und Beschränktheit des Systems für mich nicht so spürbar wurde. Ich hatte mich mit vielen Grenzen abgefunden, habe diese Grenzen verdrängt und fühlte mich dadurch relativ frei. Erst 1988 begann auch ich massiver am System zu zweifeln und nach Veränderungsmöglichkeiten zu suchen. Aber selbst zu diesem Zeitpunkt hätte ich die Geschwindigkeit der Veränderungen nicht für möglich gehalten.
Details dazu habe ich schon vor Jahren hier im Forum beschrieben.
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Zitat von delta im Beitrag #26Es ist fast zu blöd auf Deinen Schwachsinn einzugehen, delta.
Im Ansatz mögest du recht haben, aber ist es nicht so, das Gauck genau das jetzt mit den Nachkommen der Hitlergenerationen tut,...
Zitat von Engineer im Beitrag #28Gern :-) - obwohl die Threaderstellerin mutmaßlich eher an der Meinung der ehemaligen DDR-Bürger über diesen Film interessiert war. Der Exkurs erscheint mir etwas langatmig, kann aber Gefühle, Erinnerungen & Eindrücke nur im Kontext und nicht in wenigen Zeilen versuchen darzustellen.
BW, danke für diesen ausführlichen Beitrag.![]()
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